Sonntag, 13. September 2015

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Der Baum!

Ein Wildschwein aß gerade einen vom Baum gefallenen halb faulen Apfel, als es von einem Rudel Wölfe gestört wurde. Es verschluckte das letzte Stück und begann, zu laufen. Aber die Raubtiere folgten ihm nicht. Wahrscheinlich hatten sie sich vorher ordentlich den Bauch vollgeschlagen und waren nicht hungrig.
Das Schwein kam an eine Quelle, trank Wasser und suchte weiter nach Futter. Währenddessen wanderte der Kern des Apfels durch seinen Darm, ohne größeren Schaden zu nehmen. Am nächsten Tag wurde er an einer sonnigen Stelle in der Nähe eines Baches ausgeschissen.
Es war Herbst und alles noch grün. Die Sonne schien und manchmal gab es einen erfrischenden Regen. Der Kern begann, Wurzeln zu schlagen, um Nährstoffe aus dem Boden zu ziehen. Die von Regenwürmern aufgelockerte Erde erleichterte seine Arbeit. Manchmal kamen ein paar Käferlarven und nagten einige seiner Sprösslinge an.
Der Winter war sehr kalt und die Erde um ihn herum fror tief ein. Nichts regte sich in ihm, bis es wieder wärmer wurde. Jetzt begann er, Flüssigkeit in die Wurzeln zu pumpen, um die alten zu beleben und neue wachsen zu lassen. Er hatte sich so weit entwickelt, um seinen Kopf aus der Erde zu stecken. Nach kurzer Zeit zeigte der Sprössling seine ersten Knospen, aus denen kleine Blätter und später Zweige werden sollten. Hasen und Rehe kamen und fraßen einen Teil davon ab, weil diese frisch und zart waren. Blattläuse saugten seine Säfte und Ameisen beschützten diese Schmarotzer gegen Marienkäfer und andere Feinde. Als er größer wurde, kamen Holzkäfer und legten ihre Eier in seiner Rinde ab. Raupen von Faltern fraßen seine Blätter kahl.
Im dritten Jahr kamen die ersten Blüten. Sofort wurden sie von Bienen und langzüngigen Fliegen entdeckt und befruchtet. Jetzt konnten sie zu Früchten werden. Die ersten waren natürlich ziemlich sauer und das Kernhaus unausgereift. Aber ein Jahr später freuten sich alte Frauen darüber und machten Kompott daraus.
Und so wuchs er nun Jahr für Jahr, trug immer mehr Früchte, sein Laubwerk wurde dichter. Vögel bauten ihre Nester in seinen Ästen und manchmal kamen Eichhörnchen, um diese Nester auszurauben. Jeden Sommer kamen Kinder, kletterten auf ihm herum, erfreuten sich der süßen Früchte.
Und dann wurde er alt. Der innere Teil des Stammes, das Kernholz, starb ab. Ein starker Wind tat den Rest und er knickte um. Ein Wildschwein aß den letzten Apfel mit Kernhaus und trug dieses weiter, um am nächsten Tag an einer sonnigen, nicht zu trockenen Stelle wieder einen Kern abzulegen.

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